Das verrutschte Gehirn

Heiteres Beispiel für das "Verrutschen unserer Gehirnaktivität" und wie man vermeidet, blöd dazustehen.

In meinen Kursen löse ich regelmäßig Erheiterung aus, wenn ich erkläre, welche Regionen unseres Gehirns bei psychischem Stress aktiv sind, bzw. dass die Hauptaktivität vom präfrontalen Cortex (hinter der Stirn) in die Areale wandern, die seitlich über den Ohren liegen. "Denkt daran, immer wenn jemand irrational reagiert und euch anblafft, passiert das hier." Dabei lasse ich meine Finger von der Stirn in Richtung Schläfen und Ohren streifen. 

Fuchs, Wolf & Bär sagen hier nicht "Gute Nacht"

Ich wohne ziemlich idyllisch. Meine nächsten Nachbarn sind eine Fuchsfamilie, ein Feldhase und im Sommer abwechselnd einige Pferde oder eine kleine Herde Rinder mit ihren Kälbchen. Total süß ist das. Der Weidezaun ist nur fünf Schritte von der Hausseite entfernt und die großen Tiere strahlen immer etwas Majestätisches aus. Sie ziehen den ganzen Tag umher und legen sich machmal am Zaun nieder.
Der Landwirt ist fortgeschrittenen Alters und übergab die Verantwortung an einen seiner Söhne, der ebenfalls Rinder hält.
Als der seine Herde neulich auf die Weide ließ, war das ein ziemliches Getöse, weil der Bulle eine Glocke trägt, die bei jeder kleinsten Bewegung bimmelt. Auch nachts. Fünf Schritte vor dem Schlafzimmer. 
Ich hatte eine konstruktive Unterhaltung mit der Mutter des Landwirts, die versprach, die Herde würde in zwei Wochen auf eine andere Weide ziehen. Ob ich so lange durchhalten könne? Wir einigten uns, dass in einigen Tagen die Glocke abkäme, da ich mir nicht vorstellen konnte, so lange nicht schlafen zu können.

In der zweiten schlaflosen Woche rief ich bei ihr an. Der Sohn, so erklärte sie, habe verkündet, die Glocke bleibe dran.
Warum denn das, wollte ich wissen.
Das sei schließlich früher üblich gewesen und in den Alpen wäre das immer noch Praxis (meinen freundlichen Einwurf, dass wir uns im Wohngebiet befänden und nicht in den Alpen, überging sie großzügig).
Was solle denn die Glocke überhaupt? Die früheren Herden hätten nie eine gehabt.
"Was weiß ich, gefährliche Raubtiere wie der Wolf, der Fuchs, (ich schwöre, sie nannte auch den Bären!) wir müssen die Tiere schützen. Außerdem hatten wir noch nie einen so zahmen Bullen. Der schleicht sich von hinten an uns ran und wir merken es nicht. Da schweben wir in Lebensgefahr!" Sie war schon ziemlich atemlos vor lauter Stress.

​Ich fand das ziemlich lustig und half ihr aus der Patsche, indem ich um die Telefonnummer ihres Sohnes bat, um das lieber mit ihm direkt zu besprechen. 

Abends dachte ich daran, wie oft ich schon lächerlich argumentiert hatte, weil mir das Verrutschen meiner Hirnaktivität nicht bewusst war. Mit dieser simplen Handbewegung (im Geiste) kann man für sich die Schärfe aus einer Situation nehmen und sogar schmunzeln.
Ach ja - meditieren hilft übrigens auch. Dann verrutschen wir nicht mehr so häufig ...

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